Imperium:Fazit – Warhammer Kompendium

Imperium:Fazit

Aus Warhammer Kompendium

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Inhaltsübersicht

Es ist leicht zu verstehen, warum sich viele alteingesessene Imperiumsspieler über das neue Armeebuch ärgern – einige bestehende Spielweisen sind nun einfach nicht mehr möglich, viele Balanceprobleme wurden nicht gelöst, zahlreiche Dinge wurden unsinnigermaßen verändert. So ist es z.B. völlig unverständlich, warum die Greifenstandarte – die zwar gut war, aber auch mit einem starken Nachteil versehen war – nun nicht mehr für die Staatstruppen als Banner verfügbar ist. Vor diesem Hintergrund gibt sich GW auch wohl eigenen Illusionen hin, wenn zum General des Imperiums festgestellt wird: „probably the one that will be fielded the most often“ (WD UK 325). Dieser hat nämlich quasi keine Daseinsberechtigung mehr, da eine defensive Infanteriearmee ohne die Greifenstandarte quasi in sich zusammenfällt, man sich aber außerdem nicht wirklich leisten kann, einen seinen wertvollen weiteren Charakterslots für einen Armeestandartenträger mit dieser Standarte (und damit quasi ohne Kampffertigkeiten) aufzugeben – denn nur mit Charakterunterstützung haben die imperialen Blöcke überhaupt eine Chance, sich einigermaßen zu behaupten. Was sollte der General (der die Greifenstandarte nun nicht mehr ermöglicht) also besser können als z.B. ein Erzlektor, der den defensiven Charakter mit seinen zwei zusätzlichen Bannwürfeln wesentlich besser unterstützt und über den gleichen Moralwert verfügt. Versucht nur einmal, eine vernünftige Infanterieliste mit dem General aufzustellen – man stellt schnell fest, dass sich dadurch absolut kein Vorteil gegenüber dem Erzlektor ergibt.

Letzterer dürfte in Zukunft übrigens derjenige sein, auf den der GW-Ausspruch in Wirklichkeit zutrifft. Damit dürfte sich die (insbes. Turnier-) Spielweise des Imperiums in Zukunft auch magielastiger gestalten, da insbesondere der Kriegsaltar eigentlich ein Schnäppchen ist (Unerschütterlichkeit, 4+ Rettungswurf, Streitwagen mit W 5 und Rettungswurf, Magieresistenz 2 und dazu noch ein weiterer gebundener Spruch für insgesamt 100 Punkte – sign me up... – selbst der 4+ Rettungswurf kostet ja normalerweise schon 45 Punkte) und die Gebete zusammen mit der Magie noch mehr Druck ausüben.

Somit wird also ein Umdenken gefordert sein – hin zu neuen Konzepten, die sich zumindest auf Turnieren nicht unbedingt schlechter als früher spielen dürften – nur anders. Nichtsdestotrotz ist dies sehr schade, und so würde ich das Armeebuch am ehesten als „Buch der verpassten Möglichkeiten“ bezeichnen. Zu viele Änderungen machen einfach wenig Sinn, das zugrundeliegende Problem wurde nicht behoben, bzw. ein unnötiges Problem wurde geschaffen, z.B.:

- General des Imperiums entwertet - Meistertechnicus genauso nutzlos wie vorher - Schwertkämpfer immer noch die mit Abstand beste Infanterieauswahl - durch Änderung der Greifenstandarte Infanterie aber noch weiter entwertet - unsinnige Optionen (Bündelmuskete für Meisterschützen der Musketenschützen) - Verlust der ersten Salve der Musketen - Weiße Wölfe: Kavalleriehammer verloren, mit Bihänder jetzt schlechte Auswahl - Jäger quasi unspielbar (ES 10+) - kein magisches Banner für Bihandkämpfer als Grundoption - bei magischen Gegenstände immer noch zu viele sinnlose Auswahlen

Ebenso wurden Änderungen wurden einfach nicht bis zum Ende durchgedacht (warum steht z.B. beim General „magische Standarte bis 50 Punkte), können 5 Bihandkämpfer Abteilungen erhalten usw. All diese Dinge hätten ohne Probleme behoben werden können – ohne dass dies das Armeebuch zu stark gemacht hätte. Man hat eher das Gefühl, dass viele Dinge angeglichen werden sollten, indem möglichst viele Sonderregeln (von denen das Imperium sowieso nicht viele hatte) gestrichen wurden. Auf der anderen Seite stehen die sinnvollen bzw. guten Änderungen:

- mehr Auswahl bei den Kommandanten - Erzlektor: starker Neuzugang - Vergünstigung der Infanterie um mind. einen Punkt - Salvenkanone abgeschwächt - Dampfpanzer abgeschwächt - ein paar Gegenstände verbessert (Spruchschatulle, Hammer der Rechtschaffenen)

Wäre zumindest die Greifenstandarte bei 50 Punkten geblieben, hätte ich das ganze noch akzeptieren können, so aber bin ich nach diesem Buch leider nur noch mehr davon überzeugt, dass GW es einfach nicht schafft, vernünftig durchdachte Armeebücher zu schreiben – zu wenig nachvollziehbar ist doch die unterschiedliche Stärke der Änderungen. So sollte das Spielen mit Infanterie gefördert werden...leider liefert das Buch jedoch nicht den geringsten Anreiz dazu (da die reduzierten Punkte durch die 5er-Breite quasi ausgeglichen werden). Viele schon vorher nicht starke Dinge (Jäger, Weiße Wölfe) werden stark abgewertet, im Gegenzug wurden einige gute Sachen noch besser bzw. evtentuell zu starke Auswahlen addiert (Erzlektor auf Kriegsaltar).

Insgesamt fehlt mir einfach das stringente Konzept, was insgesamt hinter dem Buch stehen sollte. Durch die nicht mehr vorhandenen Anzahlbeschränkungen sind die wildesten Kombinationen möglich (Erzlektor auf Altar + zwei Dampfpanzer), die absolute Basisarmee (Infanterie) wurde aber unnötigerweise geschwächt. Unschön ist vor allem, dass diese Diskrepanzen eigentlich jedem auf den ersten (spätestens auf den zweiten) Blick auffallen – dass dies bei GW trotz all der (eigentlich ja vorhandenen) Erfahrung scheinbar weiterhin nicht passiert, ist sehr schade und lässt für die weiteren Armeebücher und das Balancing insgesamt nichts gutes hoffen.

Würde ich dem neuen Armeebuch eine Schulnote für die Regeln geben müssen, wäre es demnach wohl leider eine 3- (ohne den Erzlektor wäre es aber noch schlimmer)....schade...

Tja, hätte nicht gedacht, dass mein letztendliches Fazit doch so negativ ausfällt – aber vielleicht wird die zukünftige Praxiserfahrung ja doch noch einige meiner Einschätzungen revidieren. So, nun aber genug analysiert – ich muss mir langsam anfangen Gedanken zu machen, aus welchen Teilen ich meinen Erzlektor des Ulric auf Kriegsaltar basteln werde...

Allen Mitstreitern des Imperiums kann ich nur alles Gute und viel Spaß mit dem „neuen“ Imperium wünschen – schon in der letzten Edition durften wir uns damit herumschlagen, eines der schwächeren Armeebücher erhalten zu haben – und das hat uns auch nicht umgebracht... Also: Offen sein für Neues und Optimismus vor!